Ein Jahresauftakt nach Maß

Monte Gordo

Während der Blick aufs Thermometer am Neujahrstag in Deutschland bei den meisten wohl bereits für kalte Zehen sorgte, war er für Anja kein Grund zur Beunruhigung. Im Gegenteil: Sie hatte Silvester zusammen mit Ehemann und Trainer Marco im sonnigen Monte Gordo verbracht und kam daher in den Genuss von mediterranen Wintertemperaturen von durchschnittlich 15 Grad.

 

Dass das Training auf diese Weise deutlich leichter fällt, wurde ihr aber vielleicht erst auf dem Heimweg so richtig bewusst, als sie bei einem Zwischenstopp in Regensburg vom Winter mehr als überstürzt in Empfang genommen wurde: Beim gemeinsamen Dauerlauf mit Vereinskameradin Franzi Reng erwartete sie neben eisigen Minusgraden auf den letzten Kilometern ein wahrlicher Schneesturm, der im Nu alle bis dahin auch nur provisorisch freigeräumten Straßen sofort wieder unter einer weißen Decke begrub.

 

Doch weil die Sonne in den ersten Wochen des Jahres auch weiterhin nicht so richtig strahlen wollte, übernahm Anja diese Aufgabe kurzerhand selbst: Bei der Wahl zu „Ostbayerns Sportlerin des Jahres 2016“ belegte sie hinter der olympischen Silbermedaillengewinnerin Monika Karsch und Olympiasiegerin Sara Däbritz den dritten Platz und zeigte sich darüber mehr als zufrieden: „Ich habe mich total über Rang drei gefreut, Monika und Sara wurden verdient auf Platz eins und zwei gewählt!“ Zwar konnte sie bei der Verleihung im Rahmen einer Sportler-Gala im Regensburger Kolpinghaus aus beruflichen Gründen nicht anwesend sein, wurde aber durch Franzi Reng vertreten, die ihren Preis auf der Bühne entgegennahm.

Anja Scherl und Florian Vogel beim Ball des Sports in Bayreuth

Auf den kurz darauffolgenden Ball des Sports in Bayreuth musste sie glücklicherweise nicht verzichten. Auch hier wurde der „Sportler des Jahres“ gekürt, wobei sich Anja keine großen Chancen ausgerechnet hatte: „Ich war mir sicher, dass Florian Vogel das Rennen macht“, erklärte sie den Profi-Schwimmer zum Favorit und musste während der Laudatio dann umso überraschter feststellen, dass doch sie in diesem Jahr ganz an die Spitze gewählt worden war.

 

Dementsprechend ausgelassen wurde der Abend zusammen mit den Ballgästen, darunter auch die Freunde Elli Flurschütz, Hubert Becker und natürlich Marco, verbracht. Diese Runde sollte sich wenige Tage später auch schon wieder zu einem gemeinsamen Pizza-Essen versammeln, denn nun war es der Geburtstag von Elli, den es gebührend zu feiern galt. Außerdem mussten die Kohlehydratspeicher ausreichend gefüllt werden, um für das anstehende Wochenende in Bad Füssing bestens vorbereitet zu sein.

 

Treffen vor dem Sportsymposiums: Niko Kappel, Anja Scherl, Tom Schmidberger, Andreas Richter und Veranstalter des Thermenmarathons Thomas Richter (von links nach rechts)

Am Samstag ging es nämlich in einer großen Gruppe zum Johannesbad Thermen-Marathon. Anja war hier Teil des im Rahmenprogramm stattfindenden Sportsymposiums und bekam somit gleichzeitig die Gelegenheit, andere bekannte Persönlichkeiten der Sportszene wie Andreas Richter, Niko Kappel und Tom Schmidberger kennenzulernen. „Andreas, Niko und Tom haben mich sehr beeindruckt“, gestand Anja.

 

Doch spätestens am Folgetag sollte sie in diesem Zusammenhang den Spieß umdrehen und selbst für verblüffte Augen sorgen. Mit der geplanten „Standortbestimmung“ schlug sie gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Eine neue persönliche Bestleistung, ein Streckenrekord und ein Oberpfalzrekord standen am Ende des Rennens zu Buche – und auf dem Gesicht von Anja ein breites Grinsen.

 

Erfolgreiche Ausbeute der gesamten Truppe

Denn nicht nur sie, sondern auch ihre gesamte Truppe sorgte mit hervorragenden Ergebnissen für ein rundum gelungenes Wochenend-Resultat: Elli Flurschütz und Anke Friedl jubelten über Platz eins und zwei im Halbmarathon und Nesthäkchen Hannah Kadner freute sich über einen sechsten Platz auf der 10-Kilomete-Distanz. Das Drumherum der Veranstaltung konnte auf diese Weise noch viel mehr genossen werden, schließlich ließen sowohl Organisation, Verpflegung als auch Streckenführung keine Wünsche offen.

 

Dass sich zu diesem Jahresauftakt-Strahlen von Anja also allmählich auch wieder Sonnenschein hinzugesellen wird, ist nur eine Frage der Zeit. Denn nach den erfreulichen Nachrichten über die Aufnahme in das Top Team der Deutschen Sporthilfe und der damit verbundenen Förderung auf vielfältigste Weise (Versicherungsschutz, Verdienstausfallerstattung für Trainingslager und vieles mehr), ist es nun schon nicht mehr weit bis zum nächsten Trainingslager in Monte Gordo. Hier sollen die nächsten (Lauf-)Schritte in Richtung Cross-DM und Halbmarathon-DM getan werden. Und dank der gewohnt mediterranen Temperaturen fällt dies mit Sicherheit wie schon zu Neujahr um vieles leichter.