Es läuft – wenn auch nicht immer wie geplant...

Laufen am Flughafen München
Foto: privat

Never change a running system. Ein Sprichwort, das in Anjas Berufswelt, der Informatik, durchaus seine Berechtigung hat. Dass es in der Laufwelt allerdings nicht immer derartige Gültigkeit besitzt, zeigten die Ereignisse der vergangenen Wochen:

 

Zunächst führte Anja der Weg nach Monte Gordo. Ursprünglich war ein Trainingslager zusammen mit Vereinskameradin Franzi Reng geplant. Sie musste aber aufgrund ihrer langwierigen Verletzung schon im Vorfeld absagen und so machte sich ein dezimiertes Grüppchen, bestehend allein aus Anja und Marco, auf zum Flughafen in Richtung portugiesischer Sonne.

 

Als nach langem Warten absehbar war, dass sich der Flug noch um einige weitere Stunden verzögern würde, beschloss Anja, ihren für den Anreisetag geplanten Dauerlauf, spontan auf die Straßen rund um das Münchner Flughafengelände zu verlegen. Ein Paar Laufschuhe im Handgepäck haben sich schon oft bewährt - so fällt es ganz leicht, Pläne zu ändern.

 

Süddeutsche Meisterschaften 10.000m Regensburg
Foto: privat

Zurück aus dem Trainingslager, wo die Laufeinheiten unter geradezu optimalen Bedingungen erfolgreich absolviert werden konnten, erwartete Anja in der Heimat dann aber die Ernüchterung: Aufgrund einer Erkältung war der geplante Start bei der Cross-DM in Löningen nicht möglich. Stattdessen gab es Ingwer-Tee und Erholung. Manchmal kann es auch schwerfallen, Pläne zu ändern.

 

Denn mit dem krankheitsbedingten Trainingsausfall waren noch weitere einschneidende Entscheidungen verbunden, die Anjas Wettkampfplanungen betrafen: „Ich wäre so gerne auf der schnellen Strecke in Berlin gelaufen“, meinte Anja mit Wehmut in der Stimme, wenn sie von ihrer Absage des dort stattfindenden Halbmarathons berichtet, „ich hatte vor der Erkältung richtig gut trainiert, aber für ein zufriedenstellendes Ergebnis in Berlin hätte es aufgrund der Laufpause nicht gereicht. Dafür fehlten mit ein paar abschließende Kerneinheiten.“ Die mussten nun erst nachgeholt werden.

 

Als wäre es dafür gestrickt worden, bot sich dafür das Rennen über 10 000m bei den Süddeutschen Meisterschaften in der Regensburger Vereinsheimat an: Anja wollte das Rennen nicht maximal angehen und peilte stattdessen einen konstanten Tempo-Dauerlauf mit einer Endzeit von 35 Minuten an. Letztendlich standen 34:43min zu Buche, die aufgrund windiger Bedingungen noch um einiges höher eingestuft werden können. Denn während der 25 Stadionrunden stellte sich Anja ganz in den Dienst ihrer Mannschaft, um ihren Kameradinnen Cornelia Griesche und Miriam Dattke als Tempomacherin und Wind-Schutzschild zu guten Leistungen zu verhelfen.

 

DM Halbmarathon Hannover Mocki und Anja Scherl an der Startlinie
Foto: Norbert Wilhelmi

Nach dieser Trainingseinheit zeigte sich Trainer Marco zufrieden: „Darauf lässt sich aufbauen. Wir sind wieder auf einem guten Weg“, lautete sein erleichtertes Resultat. Unsicherheiten aufgrund des Trainingsrückstands waren so gut wie beseitigt und der kurz darauf stattfindenden Halbmarathon-DM in Hannover stand nichts mehr im Wege.

 

Nach dem gemeinsamen Pizza-Essen mit dem großen Team der LG TELIS FINANZ ging es am nächsten Tag gestärkt auf die Strecke, wo Anja von Beginn an versuchte, ihren eigenen Rhythmus zu finden. Dabei versuchte sie sich möglichst wenig von der Konkurrenz beeindrucken zu lassen. Gerade die von Anja auch im Vorfeld als besonders stark eingeschätzte Sabrina Mockenhaupt agierte auf der Strecke sehr taktisch und warf regelmäßig einen Blick zurück in die Verfolgergruppe, wo Anja ihren Platz gefunden hatte.

 

DM HM Hannover Mocki und Anja Scherl im Ziel
Foto: Norbert Wilhelmi

33:30min zeigte die Uhr nach der Halbzeit bei zehn Kilometern an, die Beine waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu schwer und die warmen Temperaturen machten Anja kaum zu schaffen. Stattdessen waren es Ausläufer des Marathon-Feldes, die gegen Ende des Rennens für Probleme sorgte: „Es war trotz Fahrradbegleitung schwer, seinen Weg durch die Menge zu finden und sich zu orientieren“, berichtet Anja rückblickend auf die letzten Kilometer vor dem Zieleinlauf.

 

Dort wartete aber dann dennoch neben der Umarmung von Frauen-Siegerin Sabrina Mockenhaupt die Silbermedaille für Platz zwei sowie eine Bestzeit in 1:11,09 (brutto) und nicht zuletzt auch noch Mannschafts-Gold mit den ebenfalls überzeugenden Vereinskameradinnen Corinna Harrer (3.) und Thea Heim (4.)

 

„Wenn wir Mädels gewusst hätten, dass wir nur drei Sekunden vom deutschen Mannschaftsrekord entfernt waren...“, spekuliert Anja, lenkt aber gleich darauf ein, „rundum bin ich natürlich super zufrieden und freue mich jetzt auf die Regeneration.“ Diese hat sie sich schließlich mehr als verdient, das Kämpfen hat sich gelohnt. Und das Wichtigste ist ohnehin der überragende Mannschaftserfolg, der die Strapazen der vergangenen Wochen überstrahlt. Viele kleine und ab und zu auch große Planänderungen haben gezeigt: Sometimes you have to change a running system.

 

But never change a winning team!

 

DM HM Hannover Siegerehrung
Foto: privat

Danke Franzi Reng für deinen Artikel!