Meine bisher längste Marathon-Vorbereitung

Anja in Valencia
Foto: privat

„Das war vom Kopf her sicherlich meine bisher längste Marathon-Vorbereitung“, meint Anja und lässt sich tief in den Sitz der Nürnberger U-Bahn sinken. Ihr Gefühl auf der Heimreise von Valencia in der Nacht von Sonntag auf Montag beschreibt sie mit den Worten „Erschöpft, müde - aber vor allem glücklich“.

 

Glücklich, da die letzten Monate, die dem Rennen in Valencia vorausgegangen waren, dieses Mal mental anstrengender waren als die vorherigen Vorbereitungen: „Ich bin im Frühjahr extra keinen Marathon gelaufen um mich perfekt für den Herbstmarathon vorzubereiten. Ich wollte doch unbedingt die Norm für die Heim-Europameisterschaften in Berlin 2018 erreichen“, erklärt sie.

10km Wettkampf in Kemmern
Foto: privat

Aber es lief einfach nicht. Ständig spielte die Wade nicht mit. „Das war schwierig für mich. Muskuläre Probleme – das hört sich ja erstmal so simple an.“ Weit gefehlt! Über mehrere Monate war an kein systematisches Lauftraining zu denken. Die Hoffnung auf den Herbstmarathon wollte sie trotzdem nicht begraben. Die Einheiten wurden von Marco auf das Rad oder ins Wasser verlegt. Aber was bringen schon drei Stunden Aquajoggen?

 

Nach dem Wettkampf in Kemmern wusste sie endlich mehr: 10 Kilometer in 34:30min standen zu Buche. Für den Herbstmarathon war es also noch nicht zu spät, auch wenn klar war, dass jede Trainingswoche und jede Trainingseinheit wichtig ist. Ein neuer Plan musste her und die Entscheidung fiel auf den Valencia Marathon.

 

Anja auf der Strecke beim Valencia Marathon
Foto: privat

Dann kam endlich der lang ersehnte Tag und die Bedingungen waren top: Kein Wind, passende Temperaturen und ein hochklassiges Starterfeld. „Das Rennen lief lange gut, bis ich plötzlich Seitenstechen hatte“, berichtete Anja von dem Schreckensmoment. „Als ich mich dann wieder gefangen hatte, kam die zweite Luft und ich konnte nochmal richtig pushen. Das habe ich bei einem Marathon hinten raus so noch nie erlebt“, erzählt sie später strahlend.

 

Unter der Anfeuerung ihrer Eltern und den besten Freunden lief sie als 5. Frau mit 2:28:53 über die Ziellinie. „Ich bin einfach nur froh, dass ich dieses schwierige Jahr mit einem Happy End abschließen konnte“, meint Anja. Die Erleichterung macht sich nicht nur in ihrem Körper breit, sie ist ihr auch anzusehen, während sie völlig übermüdet von den Strapazen des großen Marathon-Tages immer tiefer in ihren U-Bahn-Sitz sinkt.

 

Wie es nun weitergeht? Anja zögert nicht lange: „Jetzt ist erst einmal Regeneration angesagt. Endlich. Als Allererstes muss ich aber unbedingt das Mittagessen mit meiner Familie und meinen Freunden nachholen, das ich in Valencia wegen der Dopingkontrolle leider verpasst habe“, schmunzelt sie, „und dann schauen wir weiter.“

Das Ziel vor Augen, die Fans im Rücken
Foto: privat