Auf den Straßen von Osaka

Anja vor dem Startfoto des Osaka Women's Marathon
Foto: Rie Sakaguchi

Kannst Du Dir vorstellen, dass es einen reinen FRAUEN-Marathon mit diesen Startvoraussetzung gibt?

  1. Marathon unter 3:10 h
  2. 30km (Straßenlauf) unter 2:11 h
  3. Halbmarathon unter 1:28 h
  4. 10km (Straßenlauf) unter 37 min

Bevor ich am Osaka Women´s Marathon teilgenommen habe, hätte ich niemals gedacht, dass man mit diesen harten Kriterien ausreichend Läuferinnen findet.

Startaufstellung beim Osaka Women's Marathon
Foto: privat

Doch als der Startschuss im Yanmar Nagai Stadion in Osaka fiel, waren über 400 Frauen am Start. Wahnsinn. Ich war froh, dass ich meine Armlinge und Handschuhe an hatte – Es waren immerhin nur 5 Grad. Aber auch wenn ich gefroren habe: Ich war schwer beeindruckt von der Kulisse.

 

Viele Medienvertreter befanden sich im Stadion als wir die zwei Runden auf der Leichtathletikbahn drehten. Danach ging es raus durch das Marathontor auf die Straßen von Osaka. Vor mir bildete sich schnell eine Spitzengruppe mit ca. 20 Läuferinnen. Ich wusste, dass die Pacemakerinnen auf eine Marathonzeit von ca. 2:24 h laufen werden und mir fiel die Warnung meines Mannes und Trainers Marco wieder ein: "Teil Dir die Strecke gut ein! 42,195km sind weit". Zusammen mit der Japanerin Mari Ozaki und der Polin Izabela Trzaskalska hielten wir deshalb lieber etwas Abstand zur Spitzengruppe.

Anja auf der Strecke
Foto: privat

Die Läuferinnen vor uns hatten wir auch noch eine Zeitlang im Blick während uns japanischen Anfeuerungsrufe durch die Stadt begleiteten. Ab ca. Kilometer 20 zerfiel unsere kleine Gruppe und jede lief in ihrem eigenen Tempo weiter. Mari Ozaki setzte sich immer mal wieder etwas von mir ab und ich freute mich einfach nur auf die nächste Getränkestation. Aber: Denkste! Mit dem Trinken wurde es nichts. Denn leider bemerkte ich in diesem Moment, dass ich meine Lippen nicht mehr spüren konnte. Eigentlich kein Wunder bei dem eisigen Wind, dachte ich mir als ich kurz darauf Schneeflocken vom Himmel fallen sah.

 

Plötzlich rief mir Marco vom Streckenrand zu: "Du bist auf Platz 9!". Ich war überrascht und schaute nach vorne. Weit entfernt konnte ich eine Läuferin erkennen. Ich hielt sie lange im Blick und irgendwann schaffte ich es tatsächlich sie zu überholen. So ähnlich ging es noch ein paar weitere Male. Ich zählte nicht mit, fokussierte mich nur nach vorne.

 

Als ich in den Nagai Park einbog, war das Ziel wirklich nicht mehr weit. Hier standen besonders viele Zuschauer und jubelten uns zu. Da war es auch schon zu sehen: das Marathontor! Ich lief hindurch und überquerte nach 2:29:29 h überglücklich die Ziellinie. Als mir eine Dame auch noch ein Schild mit der Aufschrift "4th Place" umhängte, konnte ich mein Glück kaum fassen! Damit hatte ich nicht gerechnet…

Anja beim Laufen im Osaka Castle Park
Foto: privat

Mit diesem Glücksgefühl packte ich am gleichen Abend noch meinen Koffer. Am nächsten Tag ging es wieder zurück nach Deutschland und ich konnte so viele tolle Erinnerungen mitnehmen. Wenn ich nur daran denke, wie herzlich ich hier von den Menschen empfangen wurde, habe ich direkt wieder ein Lächeln im Gesicht. Es war wirklich eine perfekt organisierte Marathonveranstaltung mit unzähligen begeisterten Zuschauern an der Strecke. Osaka war definitiv eine Reise wert und wer die Kriterien für den Marathon nicht erfüllt, dem kann ich die Stadt an sich definitiv ans Herz legen.

Innenstadt Osaka
Foto: privat